Herzensverbindungsrunde

Kurzbeschreibung

Diese Methode wurde im Einfühlsamen Zuhörkreis „entwickelt“ und unterscheidet sich im Detail von anderen Austauschrunden (s.u.). Sie besteht aus mehreren schnellen Redestab-Runden zu Themen, die Dir auf dem Herzen liegen und endet wenn der Redestab (bei uns ist das meist ein Stoff-Frosch) einmal ohne Äußerungen durchgelaufen ist. Themen sind u.a.:

  • „Wie geht es mir jetzt“
  • „Was will ich unbedingt noch loswerden u. nicht mit nach Hause nehmen“
  • „Was wünsche ich mir für’s nächste Treffen“

Das Besondere: bezugs- aber nicht beziehungsfrei

Unsere Austauschrunde ist eine selbsteinfühlsame, ich-bezogene Beziehungsrunde, wo jede/r versucht möglichst nur von sich persönlich zu sprechen ohne direkten Bezug auf das Gesagte oder die Person anderer zu nehmen. Wir versuchen also Zustimmungen wie „Das sehe ich auch so …“ zu vermeiden, da die Gefahr besteht, dass ich bei meinen weiteren Ausführung Widerstand im anderen auslöse, weil der andere sich in meinen Ausführung nicht mehr wiederfinden kann. Selbige Gefahr besteht insbesondere auch bei Allgemeinaussage. Wir versuchen also nur in der Ich-Form zu sprechen. Wobei dies stets nur eine Empfehlung ist und keine Regel, d.h. Du hast nichts falsch gemacht, wenn Du anders sprichst! Es besteht nur die höhere Wahrscheinlichkeit, dass Du damit ungewollt Widerstand, Schmerz o.ä. beim anderen auslöst, obwohl es uns um Verbindung, Freiheit und Annahme geht, deshalb versuchen wir stets auf’s Neue, diesen unseren Kommunikations-Empfehlungen zu folgen.

Dabei verzichten wir auch bewusst auf jede Form von Feedback oder Spiegelung, auch wenn das den anderen evtl. sehr in seiner Entwicklung bereichern würde, da uns das vollkommene Freilassen und das Vertrauen auf den Prozess extrem wichtig ist. Diese Form der Rückmeldung sind zwar rein subjektiv und i.d.R. auch in der Ich-Form geäußert, doch bergen auch sie die Gefahr von Trennung, wenn die Fremdwahrnehmung schmerzhaft nicht mit der Selbstwahrnehmung übereinstimmt oder dies gerade der persönliche wunde Punkt ist, wo eine Veränderung derzeit unmöglich erscheint.
Konkret bedeutet das: Wir verzichten auf Äußerungen wie „ich erlebe Dich gerade als … “ und sagen stattdessen etwas wie „ich spüre gerade …, weil mir … sehr wichtig ist und ich … brauche.“ Dein Verhalten ist dabei nur der Auslöser, meine ausgelösten Gefühle liegen zu 99% in meiner Vergangenheit. Solche ein Bezug-nehmen-aufeinander, ohne meine Wahrnehmungen alleine auf den anderen bezogen zu äußern, ist für mich (Andreas) bereichernd und herausfordernd genug. Spiegelungen oder Feedback hingegen überfordert mich, wenn ich mich wirklich davon berühren lasse. Wenn ich wirklich sage, wie es mir gerade mit Dir geht (statt zu sagen, wie ich Dich erlebe oder was ich für Dich für richtig halte), kommen wir beim Einfühlsamen Zuhörkreis schon oft an unsere Grenzen, weil viele Menschen kein Unwohlsein im anderen auslösen wollen. Deshalb bleiben wir oft mit Äußerungen auf der Gefühls- statt Beziehungsebene stehen. Was auch schon viel bewirkt, da ich über meine Gefühle, Verletzlichkeiten und Andersartigkeiten sprechen kann, ohne zu befürchten dazu einen ungewollten Kommentar zu bekommen. (Garantie dafür gibt’s – wie im Leben außerhalb – allerdings keine, da wir auf (Schutz-)Regeln verzichten.)

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass diese Methode nicht zur neuen Gruppen-Regel werden soll! Wer Feedback will, kann dies gerne anfragen. Und wer den innerer Drang zu Helfen spürt, fragt an, ob er/sie helfen darf und wie.

Tipp: Wie schaffe ich es bezugsfrei und doch nicht beziehungsfrei zu sprechen?

Du erlebst mich. Dabei spürst Du etwas in Dir oder Dir kommt ein Gedanke. Statt mir zu sagen, was Du in Bezug auf mich wahrnimmst oder denkst bzgl. meiner Entwicklung (spiegeln), erzähle mir von Dir. Was macht Deine Beobachtung von mir bei Dir aus, welche Gefühle lösen sie aus? An welche Deiner Werte/Bedürfnisse denkst Du dabei? Vielleicht willst Du dazu etwas aus Deinem Leben mit uns teilen, was Dich heute noch sehr bewegt.

Ich (Andreas) habe oft die Schwierigkeit das Gehörte nicht mit meinem Verstand einzuordnen und in meine Rede einzubauen. Ich helfe mir dabei wie folgt, um aus diesem gewohnten Muster aussteigen zu können:

  1. Beim Zuhören versuche ich gar nicht alles zu verstehen, sondern mit dem Herzen fühlend zuzuhören und dabei mich mit Gefühlen, Sehnsüchten und Bedürfnissen des Sprechers zu verbinden (vgl. lebwendige Kommunikations-Empfehlung).
  2. Kommt der Redestab zu mir, mache ich eine Art inneren „Scheibenwischer“. Damit wische ich alles Gesagte weg, indem ich meine volle Aufmerksamkeit auf meine Gefühle und mein Innenleben richte. Ein wenig habe ich dabei meist noch die Angst, dass ich durch den Scheibenwischer vergessen könnte, was mir selbst so wichtig war in der letzten Runde. Doch die Erfahrung zeigt mir, dass dann gefühlsmäßig das bei mir ganz oben „auf der Seele schwimmt“, was mich gerade am meisten bewegt (und das andere mir wichtige Aspekte mir in späteren Runden auch wieder einfallen).
  3. Wenn ich mit dem verbunden bin, was mich gerade so sehr bewegt, erzähle ich ausschließlich von mir, meinen Gefühlen, meinen Sehnsüchten und was sie mir bedeuten. Und stelle dabei nebenbei fest, dass sie oft – nicht immer – etwas mit den bewegende Dingen zu tun haben, die zuvor ein andere im Kreis geteilt hat. So entsteht für mich Beziehung, ohne dass ich in meinen Worten ausdrücke mit welchen Aussagen ich übereinstimme (und mit welchen nicht). So kann ich stets ganz bei mir sein im einfühlsamen Kontakt mit den anderen und auch den anderen ganz frei lassen in seinem/ihrem Selbstausdruck.
Allgemein