Emotionale Selbstbegleitung

„Wer nicht in diese Welt zu passen scheint, ist nahe dran, sich selbst zu finden.“

Hermann Hesse – Eingangszitat in Maria Sanchez Buch „Die revolutionäre Kraft des Fühlens“

Einige aus unserer Lebwendig-Initiative sind sehr begeistert und inspiriert von der vollkommenen annehmenden Grundhaltung dieses neuen Heilungsansatzes von Maria Sanchez.

Noch ist unklar, ob wir diesen in unserem Fühlraum leben wollen oder spezielle Übungen dafür gemeinsam durchführen bzw. uns über unsere emotionalen Forschungsreisen austauschen wollen.

Klar ist nur, dass ihr Ansatz der „Emotionalen Begleitung / EssentialCore (=WesensKern)“ sich vom Ansatz „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ im Detail wesentlich unterscheidet. Bei ihr gibt es keinen „lieblosen Erwachsen“, den es zu überwinden gilt (und kein „ungeliebtes Kind“, was irgendwann ganz verschwinden kann). Bei ihr dürfen wir genauso bleiben, wie wir sind. An uns ist nichts verkehrt! Alles hat einen guten Grund da zu sein und will uns auf alte Wunden hinweisen („Zeitzeugen“). Und wir können beide [alle] Anteile leben – auch wenn dies zuweilen unangenehm ist – ohne dass wir feststecken bleiben. Ganz im Gegenteil berichtet sie von einem Gefühl der Ganzheit, die durch ihre unparteiische Haltung zu allen inneren Anteilen entstehen kann.

„Unter allen Menschen, die je auf der Erde geboren wurden, herrscht das weit verbreitete Missverständnis, dass wir dann am besten leben, wenn wir versuchen, dem Schmerz aus dem Weg zu gehen und es uns bequem zu machen. …

Zu einer viel interessanteren, mitfühlsameren, abenteuerlicheren und freudvolleren Lebensweise können wir jedoch gelangen, wenn wir beginnen, unsere Neugierde zu entwickeln, und es uns dabei einerlei ist, ob der Gegenstand unserer Wissbegier bitter oder süß ist. Um ein Leben zu führen, das über Kleinlichkeit und Vorurteil sowie über das Bestreben, das Geschehen stets in unserem Sinne zu lenken, hinausreicht, um ein leidenschaftlicheres, volleres und beglückenderes Leben zu führen, müssen wir erkennen, dass wir viel Leid und viel Freude ertragen können, um herauszufinden, wer wir sind … wie unsere Welt funktioniert, wie das Ganze einfach ist.“

Pema Chödrön, Liebende Zuwendung

Persönliches

Diese Grundhaltung – wie sie Maria Sanchez und auch Pema Chödrön sowie Thich Naht Hanh beschreiben – ist für mich (Andreas) öfter schwer annehmbar, weil meine körperlichen und seelischen Symptome manchmal so großes Leiden in mir auslösen, dass ein Teil in mir (das „geliebte Kind“ oder besser „konditionierte Kind“ nach der Begriffsdefinition von Marie Sanchez, ich nenne es lieber das „liebe, angepasste Kind“) diese nur weg haben will.

Dennoch habe ich den Aspekt der Unparteiischkeit in der Selbstbegleitung in meine eigene Selbstheilungspraxis übernommen. – Allerdings ohne die Idee, dass er eines Tages alle meine Symptome auflöst! – Dank der Anregung von Maria Sanchez frage ich mich nun immer wieder in meiner Selbstbegleitung: Wer begleitet mich da gerade? Und wenn ich da Härte erlebe, wende ich mich diesem Begleiter zu: Was denkst du? Erzählt mir mehr von Dir! Was fühlst Du? Bis ich irgendwann eine Instanz in mir entdecke, die mit allem in mir gleichermaßen freilassend-annehmend und einfühlsam-liebevoll sein kann. Meist ist diese Instanz an etwas außerhalb von meiner menschlichen Existenz angebunden. Ich nenne es Leben oder Eywa. Für andere ist es Gott oder eine andere spirituelle Kraft. Diesen Aspekt will ich nicht mehr in meiner Selbstbegleitung missen.

Ich habe mittlerweile (Sept. 2022) den Online-Kurs „Grundwissen I“ bei ihr abgeschlossen. Leider waren zu viele ihrer Formulierungen dann letztlich zu allgemein und damit zu einengend für mich, so dass ich bei ihr die Emotionale Selbstbegleitung nicht mehr weiter erlernen mag. Glücklicher Weise kenne ich andere Menschen, die nicht so ein striktes Vokabular voraussetzen.

in Kooperation mit

Kopfzeilen-Bild der LebWendig-Initiative