In anderen Worten

Worum es uns geht bei Lebwendigen Visiana Wir-Gruppen

In unseren Lebwendigen Visiana Wir-Gruppen ist es allen besonders wichtig, dass wir uns darin üben einen fühlend-lebendigen und achtsam-aufrichtigen Raum zu schaffen, so dass wir wieder (wie Kleinkinder) ohne Maske ganz wir selbst sein können (vgl. mein (Andreas) Artikel: „Magst du mich noch, wenn ich ganz ich bin“). Und die Betonung liegt dabei auf der tiefen Sehnsucht danach. Keiner von uns ist bereits nur annähernd perfekt in diesem ungewohnten Miteinander und dies werden wir wahrscheinlich auch nie sein. (Jedes Streben nach Perfektion halte ich (Andreas) sogar für kontraproduktiv für Lebwendigkeit.) Und dennoch gelingt es uns fast immer am Ende eines Abends eine tiefe Verbindung untereinander zu spüren und uns sicher angenommen zu wissen. Bei mir löst dies einen tiefen inneren Frieden aus. Ich bin voller Gelassenheit und fast „Gedanken-leer“.

Doch es gelingt uns nur fast immer, denn das Ganze ist ein offener Prozess. Keiner von uns weiß genau, wie es geht und keiner weiß, wie der Abend ausgeht. Diese Offenheit und Freiheit ist für mich notwendig für das Gefühl der gegenseitigen vollkommenen Annahme auf Augenhöhe. Wir haben also keineswegs die Glücksformel gefunden, sondern lediglich wiederholt die Erfahrung gemacht, dass unsere Bemühungen um ein anderes Miteinander mit tiefer Gewissheit der gegenseitigen Annahme und des Freigelassens-Seins belohnt werden kann. Die Erfüllung unserer gemeinsamen Sehnsucht motiviert uns, immer wieder Zeit und Energie in diese Form des Zusammenseins zu investieren.

Kein üblicher Gesprächskreis

Unsere Lebwendigen Visiana Wir-Gruppen wollen mehr sein als ein netter Gesprächskreis für einen harmonischen Austausch untereinander. (Doch das gilt nur für die lebwendigen Wir-Gruppen, bei anderen Wir-Gruppen und auch im Freizeit- oder Selbsthilfebereich findest Du sehr wohl nette Gesprächsrunden.)

Viele suchen jedoch eher eine angenehme Austauschsrunde, weil sie im Alltag oft Gespräche erleben, wo es um weniger persönliche Themen geht wie z.B. Wetter, Arbeit, Politik, Sport oder Krankheiten. Hinzu kommt dabei meist, dass unterschiedliche Meinungen nur schwer nebeneinander stehen gelassen werden können, weil meist der eigene Selbstwert davon abhängig gemacht wird, wer am Ende Recht behält. (In einer an Gewinn orientierten Konsum- und Leistungsgesellschaft fordert das Gewinnprinzip automatisch Verlierer. Und die meisten wollen auf der Gewinnerseite sein, weil sie Glück verspricht, wie z.B. in der Werbung propagiert.) Wie angenehm kann es da sein, sich unter Gleichgesinnten über Probleme austauschen zu können.

Doch in unseren lebwendigen Gruppen wollen wir gerade die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit. Und wir wollen insbesondere die unangenehmen Gefühle einladen und uns mit den Dingen zeigen, die wir sonst verstecken. Wir wollen mehr fühlen (Körper und Emotionen) als uns sicherheitshalber distanzierter in unseren Gedanken (Verstand) zu bewegen (vgl. verbundene Kommunikation nach Dami Charf). Bei so viel Offenheit für die eigenen Verletzlichkeiten und gleichzeitigem Verzicht auf Normierung braucht es einen gewissen Schutzraum. Deshalb ist die Gruppe auch nicht für alle Menschen offen, sondern braucht Menschen, die diese Sehnsucht wirklich teilen, damit das Vertrauen entstehen kann, auch die eigene schwache Seite zu zeigen.

Umgang mit Konflikten

In jeder Gruppe gibt es kleinere Unstimmigkeiten, weil Individuen selten zur selben Zeit genau dasselbe in der gleichen Weise wollen. Nur wie gehen wir damit um?

In unserem Lebwendigen Visiana Wir-Gruppen versuchen wir weder die Andersartigkeit des Einzelnen zu Gunsten eines gemeinsamen Wir-Verständnisses aufzugeben noch unsere Individualität ohne Rücksicht auf die anderen auszuleben. Wenn es Dir mit meinem Anders-Sein nicht gut geht, geht es mir auch nicht gut. Eine Zerreißprobe.

Einfacher ist’s entweder für vieles tolerant zu sein, sich auf das Gruppe-Feeling einzulassen und andere Meinungen nicht persönlich an sich ranzulassen – oder sein Ding zu fahren, egal wie die anderen mich dann finden.

Doch wir wollen es nicht einfach, sondern authentisch und gleichzeitig in einfühlsamen Kontakt mit den anderen. Das freie und gleichzeitig achtsame Erleben der Unterschiedlichkeit schafft für uns die tiefe Verbindung untereinander.

Dabei teilen wir uns auch mit, wie es uns mit dem anderen geht, d.h. was er gerade in uns auslöst. Wobei wir die Verantwortung für unsere ausgelösten Gefühle selbst übernehmen. [Mehr dazu…]

Wie wir uns für Veränderungen in unserem Umfeld engagieren

In unseren Lebwendigen Visiana Wir-Gruppen steht nicht die bedingungslose Zielerreichung im Vordergrund, sondern die Freude und das gemeinsame Miteinander; ganz nach unserem Motto: vieles kann, nichts muss. Alleine zu Hause kann es zur Resignation kommen, doch in Gemeinschaft machen auch schon kleinste Erfolge Freude.

Bei allem gemeinsamen Streben ist uns besonders wichtig, die Gruppeninteressen nicht vor die sich ständig ändernden Befindlichkeiten des Einzelnen zu stellen. Skepsis und Mutlosigkeit des Einzelnen sind bei uns genauso willkommenen wie individuelle Standpunktänderungen.

Aufgrund der Andersartigkeit und Veränderlichkeit jedes Individuums können sich Spannungen innerhalb der Gruppe ergeben. Da es in unseren Gruppen nicht um Effizienz und Erfolg geht, sondern um das gemeinsame Bemühen um ein anderes Miteinander, können wir diesen Spannungen mit Entschleunigung und Einfühlung begegnen. Außerdem integrieren wir die Vielfalt indem Aktive in Kleingruppen autark ihre Vorstellungen umsetzen. So können unterschiedliche Meinungen nebeneinander Bestand haben.

Zudem beherzigen wir die Empfehlung von Visiana zum Thema „Wie wir handeln“.

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Letzte Aktualisierung: 05.04.2024