Erinnerungsservice

… bedeutet, dass ich den anderen an meine Bitte erinnere und nicht erwarte, dass er meine einmal ausgesprochene Bitte fortan selbständig berücksichtigt.

Dieser Erinnerungsservice entspringt unserer Grundhaltung, dass jeder für seine Gefühle und Bedürfnisse alleine verantwortlich ist und damit auch nicht den anderen für die Erfüllungen seiner diesbzgl. Bitten verantwortlich machen kann, nach dem Motto „Das hab ich Dir doch jetzt schon 5 mal erklärt und Du hast meiner Bitte auch jedes Mal zugestimmt. Wieso denkst Du denn nicht von selbst dran?“

Auch wenn ich (Andreas) diese Frage manchmal selbst auf den Lippen habe, so lässt die da hinter liegende Erwartung den anderen nicht mehr frei. Würden wir die Verantwortung für die Bedürfniserfüllung in diesem Maße auf den anderen verschieben, müsste jeder von uns so eine Art Checkliste pro Person im Kopf führen, was er dann alles an Änderungsbitten zu befolgen hat. Und Vereinfachung durch Normierung kommt für uns auch nicht in Frage, weil wir die individuellen Unterschiede schätzen.

Bleibt die Verantwortung für die Erinnerung an die Bitte hingegen bei demjenigen, der das Bedürfnis hat, wollen die anderen meist sehr gerne die individuellen Bitten – z.B. „Dein Sanduhr ist abgelaufen“ sagen statt „Deine Zeit ist abgelaufen“ oder die Tür zu schließen – mit Freuden gern erfüllen, denn dann fühlen sie sich weiterhin frei und in ihrer Spontanität nicht eingesperrt.

Wenn jemand das wiederholte Erinnert-werden stört oder jemand das Erinnerungsservice-leisten unangenehm wird, werden wir uns das in einem Beziehungsangebot anschauen. Meist bringt dies wieder viel Verbindung und die Lösung fällt dann ganz nebenbei ab.