all-leader-Prinzip

Das „all-leader“-Prinzip habe ich (Andreas) beim „community building process“ (CB) abgeschaut. Scout Peck nennt es „group of all leaders„. Es bedeutet, dass jeder die Verantwortung für die Erfüllung seiner Bedürfnisse hat und für das Gelingen des gesamten Abends. Das Gelingen des Abends bezieht sich dabei nicht nur darauf, dass die Leitung nicht wissen kann, was Du ganz speziell brauchst und Du deshalb aufgefordert bist, Dich mit Deinen persönlichen Wünschen einzubringen (Selbstverantwortung). Es bedeutet darüber hinaus, dass jeder auch Verantwortung für die gesamte Gruppe trägt und die Klärung der Spannung in der Gruppe nicht vertrauensvoll an die Leitung abgeben kann. Es gibt also keine Leitung, die auf die Gruppenbedürfnisse achtet, sondern jeder ist gleichermaßen aufgefordert – egal wie viel Erfahrung Du hast – Störungen in der Gruppe ein Stimme zu geben. So übernimmt jeder ohne feste Reihenfolge oder Rollenzuordnung mal die Leitung/Moderation (Scout Peck spricht hier von einer „fließenden Führung“ ). Für mich ist das sehr hilfreich, weil ich manchmal – trotz meiner langjährigen Erfahrung – ohnmächtig bin, meist weil ich emotional gerade zu sehr mit mir beschäftigt bin. Andere spüren im selben Augenblick, was es für mehr Verbindung und einfühlsame Klarheit gerade braucht.

Dies ist Risiko und Chance zu gleich. Einerseits kann es zu starken Verunsicherung innerhalb der Gruppe führen und zu Chaos (vgl. Erfahrungsbericht von Katharina), weil es der Gruppe an Orientierung und Klarheit, eben an einer festen Leitung fehlt. Andererseits sind damit alle auf gleicher Augenhöhe, es entstehen mehr verbindende Impulse, als es ein einzelner Leiter oder ein Leitungsteam erfassen kann und alle fühlen sich beteiligt am Gruppenprozess, keiner kann sich hinter der Teilnehmerrolle verstecken und das „Heikle“ der Leitung überlassen. Dadurch kann es zu mehr authentischen Äußerungen kommen. Und genau diese können wieder sehr viel Schmerz auslösen und trennend wirken. Es bleibt ein schmaler Grad zwischen angeleiteter scheinbarer emotionaler Sicherheit und dem alles zulassen und nichts moderieren.

Beim community building process (CB) gibt es ausgebildete „Facilitators“ (Begleiter), die viel Wissen über Gruppendynamik haben und sich bei unerfahrenen Gruppen nicht selbst am Kreis beteiligen, um so in kritischen Situationen Impulse in die Gruppe geben zu können. Ich (Andreas) sehe darin den Vorteil, dass Menschen, die es noch nicht gewohnt sind, ihre momentane emotionale Erregung in ich-bezogener, selbst-verletzlicher, einfühlsamer und wertschätzender Weise ausdrücken, doch ohne Rücksicht auf den Gruppenfrieden ganz authentisch, lebendig und direkt sich ausdrücken können, da die Facilitators von außen dafür sorgen können, dass die Gruppendynamik nicht zu verletzend wird. Der Vorteil ist für mich zugleich auch ein Nachteil, denn dadurch können nicht alle gleich sein im Kreis, die Facilitators bleiben emotional außen vor, haben mehr Wissen als die Teilnehmenden und das ergibt für mich ein unangenehmes Gefühl des nicht auf Augenhöhe zu sein.

Beim Einfühlsamen Zuhörkreis begegnen wir diesem Spannungsfeld indem wir nicht nur Kommunikations-Empfehlungen nutzen – wobei wir uns dabei auch an die CB-Empfehlungen anlehnen – sondern zusätzlich bestimmte weitere Gesprächshilfen nutzen. Dadurch werden für mich (Andreas) im Vergleich zum community building process (CB) die Vorteile zu Nachteilen und umgekehrt. Was passt für Dich eher?

 

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